Die 10 „ekligsten“ Lebensmittel der Welt – eins nach dem anderen
Bewertet wurde hier vor allem die optische Schockwirkung, die Ungewöhnlichkeit der Zutat und wie stark das Gericht den westlichen Gaumen herausfordert. Viele der Kandidaten sind in ihrer Heimat allerdings echte Spezialitäten. Du kannst beim Lesen mitpunkten: Für dich eher „auf keinen Fall“ oder „mit etwas Mut vielleicht doch“?
1. Baumwürmer (Philippinen)
Kaum zu glauben: In der Region Palawan auf den Philippinen gelten diese Baumwürmer als Delikatesse. Die dicken, weißen Larven werden aus Kokos- oder Palmenstämmen herausgeschnitten, grob gereinigt und anschließend roh oder leicht gegrillt serviert.
Foodie Shebeen Daklanil beschreibt den Geschmack so: Baumwürmer erinnern an Austern – weich, fettig und sehr „meerig“. Am beliebtesten sind sie roh, in eine Mischung aus Limetten- bzw. Calamansi-Saft, Essig und Salz getunkt. Ein Biss und die „Frische“ explodiert im Mund. Wer an den Stränden von Palawan unterwegs ist, findet diese Hardcore-Meeres-Snacks an vielen Ständen.
Ein wichtiger Hinweis: Den Kopf besser nicht mitessen. Das kleine, dunkle Ende ist steinhart und sehr unangenehm zu beißen. Einheimische entfernen ihn vorher und essen nur den weichen, fetten Mittelteil.

2. Fermentierter Bohnenkuchen „Tempeh“ (Indonesien)
Der nächste Kandidat ist aus Sicht vieler eigentlich gar kein „Abschreck-Gericht“, sondern eher ein gesunder Snack. Tempeh ist in Indonesien weit verbreitet: Bohnen, meist Sojabohnen, werden fermentiert zu einem festen Block gepresst, in Scheiben geschnitten und dann frittiert, gebraten oder gebacken.
Laut Empfehlerin Huang Qiu hat guter Tempeh ein dezentes Bohnenaroma und eine leichte Bitterkeit durch die Fermentation, fühlt sich im Mund aber so knusprig an wie Chips – besonders wenn er goldbraun gebacken und mit Salz und Chili serviert wird. Viele Vegetarier schätzen Tempeh als eiweißreichen Fleischersatz.

3. Gebratene Vogelspinnen (Kambodscha)
Hier ist mentale Vorbereitung Pflicht. Der Legende nach begannen die Menschen in Kambodscha während der Hungersnot in den 1970ern, alles zu frittieren, was sie fangen konnten – auch Spinnen. Daraus entwickelte sich mit der Zeit ein klassischer Streetfood-Snack: frittierte Vogelspinnen.
Empfehler Lee Edward Van Laer sagt: Die Hülle ist knusprig, die Beine sind leicht faserig und das Innere erinnert an Krabbenrogen – cremig und etwas mehlig. Insgesamt sei der Geschmack aber „gar nicht so toll“, und im Vergleich würden frittierte Grillen deutlich besser abschneiden. Mutige finden ganze Berge schwarzer, behaarter Spinnen auf Nachtmärkten und Straßenständen in verschiedenen Städten.

4. Gebratene Zikaden (Thailand)
In Chiang Mai stehen gebratene Zikaden regelmäßig auf den Speisekarten von Restaurants und auf den Tischen vieler Haushalte. Da in ländlichen Regionen größere Wildtiere oft unter Schutz stehen, greifen die Bewohner in der Zikadensaison zu Zikaden und Larven, um ihren Eiweißbedarf zu decken – ein echtes „natürliches High-Protein-Food“. Auf Nachtmärkten liegen goldbraun frittierte Zikaden häufig direkt neben Bambuswürmern und Heuschrecken und warten auf Gäste mit ausreichend Mut.
Adam Lambert-Gruen beschreibt seinen ersten Bissen so: Am Anfang wirkt es wie ein knuspriger Erdnuss-Snack, nach ein paar Kaubewegungen kommt ein Aroma durch, das an angebratenes Steak erinnert. Klingt gar nicht so schlecht, oder? Wer sie wirklich probiert hat, darf gerne berichten: eher „unfassbar lecker“ oder doch „die Psyche macht nicht mit“?

5. Escamoles (Mexiko)
Der Name sagt dir vielleicht nichts, aber die Zutat umso mehr: Ameisenlarven, die an Wurzeln oder Stängeln von Pflanzen gesammelt werden. Die Larven werden geputzt, gewürzt und kurz angebraten und dann auf knusprige Tortillas gegeben – fertig ist das Gericht, das man gerne „Insekten-Kaviar“ nennt.
Wenn du kurz vergisst, dass du Insekten isst, fällt dir vielleicht auf, dass sie optisch an weichen Hüttenkäse erinnern. Beim Biss platzen sie leicht, sind cremig und zart und schmecken wie eine Mischung aus Butter und Nüssen. Im Vergleich zu reinen Schock-Gerichten gehört Escamoles eher zur Kategorie „sieht gruselig aus, schmeckt aber verdammt gut“.

6. Casu Marzu – Madenkäse (Sardinien, Italien)
Jetzt kommen wir zu den wirklich harten Fällen. Der sardische Madenkäse Casu Marzu nutzt – wie Escamoles – Insektenlarven, geht aber noch einen Schritt weiter: In fetten Schafskäse werden gezielt bestimmte Fliegenarten eingebracht, deren Larven den Käse von innen zersetzen und so ein extrem intensives, scharf-fermentiertes Aroma erzeugen.
Erst wenn die Oberfläche von lebenden, weißen Maden wimmelt, gilt der Käse als „essreif“. Der Geschmack soll cremig, aber gleichzeitig scharf-brennend und weit entfernt von der milden Cremigkeit normalen Käses sein. Für die meisten Menschen reicht der Anblick des „sich bewegenden Käses“ aus, um Gänsehaut zu bekommen – wer das ruhig essen kann, spielt in einer eigenen Mut-Liga.

7. Balut – gekochtes Entenembryo-Ei (Philippinen)
Noch eine umstrittene Spezialität von den Philippinen – und für viele der seltsamste Eintrag der Liste. Unter Balut versteht man ein angebrütetes Entenei, bei dem sich der Embryo bereits gebildet hat, aber noch nicht vollständig entwickelt ist. Das ganze Ei wird gekocht, mit Salz oder etwas Essig gewürzt und direkt aus der Schale gelöffelt.
Beim ersten Biss bekommt man eine kräftige Brühe, die an Entenknochensuppe erinnert, dazu cremigen Eigeschmack und die bissfeste Textur des halbfertigen Entenembryos. Manche beschreiben es als „konzentrierte Entensuppe plus ganze Mini-Ente in einer Schale“. In vielen Regionen ist Balut sowohl Streetfood als auch klassischer Mitternachtssnack zum Bier. Vielleicht können philippinische Leser erklären, wie dieses Gericht entstanden ist und warum es für so viele ein Stück Kindheit geworden ist.

8. Kale Pache (Iran)
Iraner sind Meister im „Nose-to-Tail“-Prinzip. Beim traditionellen Gericht Kale Pache werden fast alle Teile des Schafs verwertet: Kopf, Füße, Magen – und manchmal auch Zunge und Augen – werden stundenlang zusammen gekocht, bis Kollagen und Fett vollständig in die Brühe übergegangen sind. Am Ende steht eine milchige, reichhaltige Suppe, die für Innereien-Fans ein absoluter Traum ist.
Viele Iraner und Menschen in anderen Teilen des Nahen Ostens essen Kale Pache morgens als kräftiges Frühstück, das wärmt und lange satt macht. Wer eher leichte Kost gewohnt ist, findet die Kombination aus starkem Hammelgeruch und Innereien-Aromen allerdings oft sehr gewöhnungsbedürftig. Ähnliche Gerichte gibt es auch in vielen arabischen Ländern – Hardcore-Soulfood kennt eben keine Grenzen.

9. Crialldias (Spanien)
Der Name klingt harmlos, aber dahinter verbergen sich Rinderhoden. Für Crialldias werden die Hoden gründlich gesäubert, in Scheiben geschnitten, paniert und frittiert oder mit Zwiebeln und Paprika gebraten. Auf dem Teller sehen sie täuschend ähnlich aus wie normale Schnitzel oder Fleischbällchen.
In manchen Regionen gelten sie als Gericht, das „ein echter Mann einmal probiert haben muss“ – Symbol für Mut und Stärke. Viele junge Männer betrachten es als Mutprobe: Wer einen ganzen Teller ohne mit der Wimper zu zucken schafft, findet den Rest der „Ekel-Liste“ eher harmlos. Und du – würdest du dich trauen?

10. Tausendjähriges Ei (China)
Zum Schluss ein Klassiker, den Chinesen bestens kennen: das sogenannte „Tausendjährige Ei“ oder Century Egg. CNN bezeichnete es einmal als eine der beliebtesten Vorspeisen Chinas – perfekt zu eingelegtem Ingwer, kaltem Tofu oder in einer Schale cremigem Reisschleim. In westlichen Augen ist es dagegen oft der „Endgegner“ der chinesischen Ekel-Food-Klischees.
Der Amerikaner Danny Hovada kommentierte nach seinem ersten Biss: „Furchtbar – es schmeckt wie ein verdorbenes Ei.“ Tatsächlich werden Enteneier monatelang in einer alkalischen Mischung aus Kalk, Asche, Lehm und anderen Zutaten gereift. Das Eiweiß wird zu einem durchscheinenden, dunkelbraunen Gelee, das Eigelb cremig-krümelig mit starkem, an Ammoniak und Mineralien erinnerndem Aroma. Für alle, die damit aufgewachsen sind, ist es eine unglaublich intensive, süchtig machende Umami-Bombe; für Neulinge hingegen wirken die schwarze Farbe und der starke Geruch instinktiv abschreckend.

Fazit: Ekelig oder lecker – oft nur eine Frage der Kultur
Am Ende zeigt sich: Die meisten sogenannten „ekligen Lebensmittel“ sind vor allem das Ergebnis unterschiedlicher Esskulturen und Gewohnheiten. Was in der einen Region alltägliche Hausmannskost ist, wirkt in einer anderen wie eine Mutprobe. Umgekehrt gelten unsere geliebten Gerichte wie Tausendjähriges Ei, Stinktofu oder scharfe Blutgerichte für viele Ausländer als extremer Härtetest.
Geschmack ist nie objektiv, sondern entsteht aus Herkunft, Kindheitserinnerungen und der Esskultur, in der wir aufwachsen. Wenn du das nächste Mal eine Liste mit den „ekligsten Lebensmitteln der Welt“ siehst, versuch es doch mal mit etwas weniger Vorurteil und etwas mehr Neugier – vielleicht entdeckst du beim ersten mutigen Biss eine Geschmackserinnerung, die du nie wieder vergisst. Welche der zehn Speisen findest du persönlich am abschreckendsten, und welche würdest du tatsächlich probieren?
